Freitag, 19. August 2011

Hoch hinaus im Hochseilgarten

Die letzten Jahre haben wir ein Planschbecken im Garten aufgestellt, Perlenketten gebastelt, eine Schatzsuche in der Kolonie gemacht und Topfschlagen gespielt. Dieses Jahr mussten wir uns etwas anderes ausdenken. Wenn man Acht wird, will man nicht mehr mit einem Holzlöffel auf dem Boden herumkrabbeln. Mädchen die Acht werden, wollen sich erwachsen fühlen, ernst genommen werden, keine pinken Kleider mehr tragen und finden Jungs „doof“.
Glücklicherweise  hatten wir für diesen Geburtstag den perfekten Einfall. Wir waren mit der Geburtstagsgruppe im Hochseilgarten Jungfernheide.  Wir hatten uns für den Kinderparcours angemeldet, denn einige von den eingeladenen Kindern waren für den Erwachsenenparcours  zu klein. Ich erwartete einige wenige Bäume, zwischen denen Hängebrücken gespannt sind und Plattformen, welche die Kinder nur über Strickleitern erreichen können. Eine kleine Anlage eben, in der entspannt herumgeklettert werden kann. Als wir im Hochseilgarten ankamen und die Mädchen nach dem Anlegen der Sicherheitsgurte und einer kurzen Einführung zur Funktionsweise der Sicherungen, in den Parcours starteten, musste ich jedoch einsehen, dass meine Vorstellungen nicht ganz mit der Realität übereinstimmten.  Inmitten eines kleinen Waldes mit hohen Pinien, kleinen Lichtungen und jeder Menge grünem Gebüsch erstreckten sich zwei Parcours in etwa zwei bis fünf Metern Höhe. Es gab Seile und schmale Baumstämme, auf denen man entlangbalancieren musste, Seilbahnen, mit denen man sich durch die Bäume zur nächsten Kletteretappe schwingen konnte, hölzerne Tunnel, durch die man kriechen und riesige Netze, an denen man sich entlanghangeln musste.


Die Mädchen hatten einen riesen Spaß, riefen sich gegenseitig Tipps zur Bewältigung des nächsten Elements zu und fühlten sich wahrscheinlich wie kleine Forscherinnen, die einen Weg durch den tiefen Dschungel eines fernen Landes finden müssen. Das jedenfalls hätte ich mir als Kind vorgestellt. Ich hätte mir die am Boden stehenden  Erwachsenen weggedacht, die einem alle Nase lang Hinweise zurufen, weil sie befürchten man könne es ohne ihre Unterstützung nicht schaffen, hätte kurz die Augen geschlossen und mir eine Rolle erdacht, in die ich schlüpfen könnte. Ich hätte mir vorgestellt, ich sei eine Biologin, die Papageienarten erforschte. Des indianischen Volkes am Fuße des Berges zufolge lebten höher im Berg besonders farbenprächtige Exemplare einer noch unerforschten Art. Meine Aufgabe wär es gewesen, mir einen Weg durch den Dschungel zu suchen, um hinauf auf den Berg zu gelangen und dort meine Forschungsstation aufzuschlagen. Es wäre bisher keinem Forscherteam der Welt gelungen, einen Weg nach oben zu finden, weil der einzige Weg durch die Baumwipfel  führt.

Etwas in der Art hätte ich mir ausgedacht. Und dann wär ich losgeklettert. Die Seile, mit denen man zur nächsten Plattform schwingen muss, wären in meiner Vorstellung Lianen gewesen, die großen Netze Spinnennetze, gesponnen von gemeinen Riesenspinnen, vor denen man sich sehr in Acht nehmen muss. Am Boden hätten außerdem  hungrige Tiger und Krokodile gelauert. Ich hätte stets darauf achten müssen, dem Boden nicht zu nahe zu kommen. Sonst hätte ein Krokodil mir womöglich ein Bein abgebissen.

Ja, so in etwa hätte ich meine Geschichte wohl gesponnen. Ob  eines der Mädchen an diesem Tag auch in ihrer eigenen Geschichte geklettert ist – wer weiß?! Die hohen Bäume und das viele Grün, als auch die vielen verarbeiten Baumstämme im Hochseilgarten bieten  für ein solches Abenteuer auf jeden Fall eine tolle Kulisse. Aber auch ohne solch fantastische Vorstellungen hat man im Hochseilgarten wohl eine Menge Spaß. Die Mädchen nämlich freuten sich über jedes neue Hindernis und waren den ganzen Ausflug über sehr vergnügt.  

Vielleicht komme ich bald noch einmal hierher und erprobe meine eigenen Kletterfähigkeiten. Lust dazu habe ich jedenfalls. Und vielleicht fällt mir bis dahin ja auch eine neue Geschichte ein.

Weitere Infos zum Hochseilgarten gibt hier: Waldhochseilgarten Jungfernheide

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