Mittwoch, 12. Oktober 2011

Grimpel. Grimpel?

Grimpel heißt eigentlich nicht wirklich Grimpel. Grimpel heißt nur Grimpel, weil seine Eltern vergessen haben, ihm einen richtigen Namen zu geben. Und da Grimpel sein Nachname ist, wird er nun eben Grimpel genannt. Wäre sein Vorname auch Grimpel würde er also Grimpel Grimpel heißen.Verwirrend? Ein bisschen vielleicht. Dass seine Eltern vergessen haben, Grimpel einen Namen zu geben, ist jedoch nicht Grimpels einziges Problem. Seine Eltern sind nämlich generell etwas vergesslich. Um genau zu sein: Sehr vergesslich. Sie wissen nicht mehr, wann Grimpel Geburtstag hat und feiern deshalb mehrmals im Jahr. Es gibt Tage, da vergessen sie aufzustehen oder zu Bett zu gehen und weil sie so vergesslich sind, tun sie oft sehr merkwürdige Dinge: Sie bitten Grimpel zum Beispiel, die Katze zu füttern, obwohl sie überhaupt keine Katze haben.


In der ersten Geschichte über Grimpel (es gibt nämlich auch eine zweite und die ist eben so grandios) reisen Grimpels Eltern unangekündigt nach Peru und lassen Grimpel und einen Haufen beschrifteter Zettel allein zurück. Wo Grimpel etwas zu essen findet, was er nicht vergessen soll und an wen er sich wenden kann, wenn er Hilfe braucht – all diese Dinge stehen auf den kleinen Zetteln, die ihm seine Eltern hinterlassen und überall im Haus verteilt haben. Grimpel verbringt die Tage nun also damit, die teils sehr seltsamen Hinweise seiner Eltern zu befolgen, in die Schule zu gehen, am Nachmittag die Zeit totzuschlagen und auf ein Telegramm zu warten und die Liste mit den Notfall-Kontakten abzuklappern. Die haben seine Eltern ihm nämlich auch da gelassen.
Und so schlendert Grimpel jeden Tag zu einem anderen Bekannten, findet in deren Häusern und Wohnungen weitere Hinweise, Rezepte für jamaikanische Kokosnusstorte (von der Grimpel noch am nächsten Morgen übel ist), hartgekochte Eier und Kartoffelpfannkuchen und die ein oder andere Merkwürdigkeit. Im Stellwerk des Bahnhofsvorstehers Rollrad gibt es zum Beispiel ein Buch mit dem Titel Bahnwärter-Vorschriften, in dem es ein Kapitel über Schokoladensauce gibt. Und das Reihenhaus seiner Tante Felix kann Grimpel nur von den anderen Häusern in der Straße unterscheiden, weil seine Tante eine Vorliebe für senffarbene Gardinen und Bettbezüge hat.   

Illustration von Frank Francis aus Clement Freuds Grimpel, erschienen beim Fischer Verlag

Grimpel ist keine spannende Geschichte. Die Welt, in welcher der kleine Held lebt, ist nicht besonders fantastisch oder märchenhaft. Es werden keine großen Themen, wie Freundschaft oder Liebe aufgegriffen. Auch zu realen Geschehnissen oder vergangenen Ereignissen nimmt die Geschichte keinen Bezug. Es tauchen nicht einmal andere Figuren auf, die eine größere Rolle spielen könnten. Eigentlich gibt es nur Grimpel. Grimpel und seinen Versuch, den ganz normalen Alltag zu bewältigen, ohne seine etwas ungewöhnlichen Eltern an Grimpels Seite. Nun versteht es aber der Autor auf ganz vorzügliche Weise, Grimpel und seine Situation außergewöhnlich amüsant zu beschreiben. In der Erzählung über den etwas tollpatschigen, nachdenklichen und überaus sympathischen Jungen reiht sich ein komischer Moment an den nächsten und es gibt kaum eine Szene, kaum einen Satz, über welchen der Leser nicht schmunzeln muss. Wer was zum Lachen braucht, der greife zu Clement Freuds Grimpel!

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