Mittwoch, 23. November 2011

Weihnachten auf freier Strecke

Letzte Woche gab es den ersten Frost, gestern habe ich meine Handschuhe hervorgekramt und mir eine neue Mütze gekauft. Und ich habe mit Schrecken festgestellt, dass es langsam an der Zeit ist, sich Gedanken über Weihnachtsgeschenke zu machen. Auch die Stapel aus Spekulatiustüten und Lebkuchenpaketen in den Supermärkten beginnen allmählich zu schrumpfen. Alles Anzeichen dafür, dass Weihnachten nun doch nicht mehr in allzu weiter Ferne liegt. Genau genommen sind es nur noch 4 Wochen und 3 Tage bis Heiligabend. Es ist also an der Zeit, über Plätzchenrezepte, die dieses Jahr unbedingt ausprobiert werden müssen, nachzudenken, das Wohnzimmer in eine Bastelwerkstatt zu verwandeln und die Weihnachtsbücher aus den Regalen zu holen. Auf letzteres freue ich mich jedes Jahr besonders. Denn Weihnachtsbücher machen wirklich nur in der Weihnachtszeit Spaß. Natürlich kommen alljährlich ein paar neue Bücher in die Regale und somit wächst der Stapel der Bücher, die mit einem "Oh, dass müssen wir unbedingt auch noch vor Weihnachten lesen!" von mir kommentiert werden, stetig an. Natürlich möchte ich euch diese Werke auf keinen Fall vorenthalten...

Es ist der 24. Dezember. Nachmittag. Noch herschen vorweihnachtliche Hektik und Betriebsamkeit, noch ist es hell draußen. Die meisten Kinder genießen in diesen Stunden das weihnachtliche Fernsehprogramm, schauen ihren Eltern beim Zubereiten des Festessens über die Schulter, holen Verwandte vom Bahnhof ab oder liegen einfach lange im Bett und lesen oder hören Kassetten. Ganz anders jedoch sieht das bei Stefanie und Tobias aus. Denn die Familie hat noch keinen Tannenbaum und die Geschwister müssen noch einmal in die Hamburger Innenstadt fahren, um eines der letzten Exemplare zu ergattern. Die beiden sind jedoch nicht die einzigen, die so kurz vor dem heiligen Abend noch unterwegs sind.
Da sind zum Beispiel der polnische Violinist Stanislav Kapinski, der auf dem Weg zu einem seiner Auftritte ist, die alte Dame Adele mit ihrem Hund Purzel und Julia, die noch die letzten Einkäufe für den Weihnachtsabend mit ihrem Mann erledigen muss. Oder auch der Punk Olli, der mit Weihnachten eigentlich nichts am Hut hat und auf dem Weg zu einer Party ist und Horst Essler, Junggeselle und Geschäftsmann, in den Einkaufstüten Champagner und andere Köstlichkeiten für sein großes Weihnachtsessen am Abend. 

Cover-Illustration von Heribert Schulmeyer aus Weihnachten auf freier Strecke, erschienen bei dtv junior
Diese sieben sind es auch, die gemeinsam in einem Zugabteil sitzen, alle auf ihrem Weg nach Hause und in Vorfreude auf den Abend, als plötzlich, mitten auf der Strecke, der Zug anhält und einfach nicht mehr weiterfährt. Starke Schneeverwehungen und ein Defekt an der Lok haben die Strecke zwischen Rahlstedt und Ahrensburg für den Zug unpassierbar gemacht. Der Zug steckt fest. Und mit ihm seine Insassen. Nun heißt es: Abwarten und hoffen, dass alle noch pünktlich zum Heiligabend an ihr Ziel kommen. Und bis dahin müssen sie es sich eben im Zug gemütlich machen. Wie Ihnen das gelingt und ob die so unterschiedlichen Charaktere miteinander auskommen, dass wird von Katharina Kühl wunderbar erzählt. Man möchte am Liebsten dabei sein, mit den anderen in diesem Abteil sitzen, während es draußen dunkelt und schneit und der heilige Abend langsam immer näher rückt.  

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