Donnerstag, 5. April 2012

Besuch bei Oma

Die Osterferien stehen vor der Tür. Und das heisst für viele Schulkinder wieder einmal: Ab zu Oma und Opa!
Ferien bei Oma und Opa sind gigantisch toll! Auch für meine Schwester und mich hiess es früher mindestens einmal im Jahr: In den Zug gesetzt, auf zu Oma und Opa! Und was hatten meine Schwester und ich dort für einen Spass! Ich weiss gar nicht mehr, was am besten war: Dass wir jeden Tag schlafen konnten, so lange wir wollten oder dass wir uns immer unsere Liebelingsspeisen wünschen durften: Pizza, Pommes Frites oder auch Omas Spezialität Hefeklösse mit Pflaumenkompott.   
  Wir durften in Haus und Garten herumtoben so viel wir wollten, uns Omas Perlenketten umhängen, in ihren alten Kleidern und Schuhen durch die Siedlung stöckeln und uns von den Nachbarn Schokolade und 5-Mark-Stücke zustecken lassen. Waren wir in den Sommerferien dort, lümmelten wir in der Mittagshitze im Schatten auf der Terrasse herum, lutschten ein Eis nach dem anderen und fingen Wespen mit unseren Saftgläsern. Am Feld hinter der Siedlung gab es jede Menge Brombeerhecken und ein Flugfeld, von dem nach der Mittagsruhe Motorengeräusche durch die Siedlung hallten. 
Illustration von Jasmin Allenfort
 In den Osterferien sammelten wir im Garten Unmengen an Schokoeiern und sassen bei Regen und Gewitter ewig vorm Fernseher. Wir durften die Gartenhütte zu unserem kleinen Eigenheim einrichten, mit Mamas alten Schulheften spielen und in Omas und Opas riesengrossen Bett Abendbrot essen und Comics lesen.
Worauf ich eigentlich hinaus will: Bei Oma und Opa darf man oft all das, was zu Hause nicht erlaubt ist! Wenn die Mütter dieser Welt wüssten, was bei Oma und Opa passiert, wie ihre Kinder dort verwöhnt werden, würden sie die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und ihre jahrelange Erziehungsarbeit, ihren strengen Kampf gegen Plastikspielzeug, gegen grellgelbe Limonade und Fernsehsendungen nach 20 Uhr, vernichtet fürchten. Und das von den eigenen Eltern! Na ja. Seis drum! Eigentlich wissen sie es ja schon, oder? Wie gut es uns bei Oma und Opa geht... 

Der kleine Matze aus Andrea Hensgens und Joelle Tourlonias' Buch Besuch bei Oma will seiner Mutter jedenfalls ebenfalls nicht verraten, wie gut er es bei Oma hatte. Er erzählt ihr, alles sei prima gelaufen, er sei brav und es sei ein schöner, aber eben ganz normaler Tag gewesen. Klar, dass Matze flunkert und seiner Mutter ein paar nicht unrelevante Kleinigkeiten verschweigt. 

Coverillustration zu Andrea Hensgens Besuch bei Oma von Joelle Tourlonias, erschienen bei Jacoby&Stuart
 Nur wir Leser erfahren, wie es wirklich war, bei Oma. Dass Matze nicht nur zwei Kugeln Eis gegessen hat, wie er seiner Mutter erzählt, sondern einen riesengrossen Becher, erfahren wir. Und dass ihm Oma keine Gute-Nacht-Geschichte vorgelesen hat, sondern neben ihm auf dem Sofa eingeschlafen ist und er einen Gruselfilm im Fernsehen geschaut hat, den er zu Hause nie, nimmer, niemals hätte sehen dürfen.
Die Unordnung, die er bei der Grossmutter angerichtet hat, verschweigt er ebenso wie die Tatsache, dass er versehentlich eine von Omas Vasen kaputt gemacht hat.
Und natürlich erzählt Matze auch nicht, dass er sich die Streusel vom Kuchen gepickt hat und Oma überhaupt nichts dagegen hatte...

Ja, denkt der Leser, genau so ist es mit diesen Besuchen bei Oma! Und das ist auch gut so! Die Kinder toben sich aus und freuen sich über die ungewohnte Aufmerksamkeit. Die Grosseltern möchten ihre Liebsten verwöhnen und sind oft entspannter als Mutter und Vater. Und die Eltern wissen eigentlich ganz genau, was los ist bei Oma und Opa, sind aber insgeheim froh, wenn sie nicht nach jedem Besuch erfahren was wirklich los war...

Zu Recht hat es das Bilderbuch Besuch bei Oma auf die Liste Die besten 7 geschafft! Joelle Tourlonias' Illustrationen erzählen in einem wunderbar phantasievollen und atmosphärischen Stil von den kleinen Abenteuern, die Matze bei seiner Oma erlebt hat und rufen mit liebevollen Details bei kleinem und grossem Betrachter Erinnerungen an die eigenen Besuche bei den Grosseltern wach. 
  

Kommentare:

  1. Das klingt und sieht nach einem sehr gelungenen Bilderbuch aus! Vielen Dank für die Empfehlung!
    Das behalte ich im Auge!

    Liebe Grüße,
    papillionis

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  2. Hallo Papillionis,

    auf der Seite von Jacoby&Stuart kannst du sogar einen Blick ins Buch werfen:

    http://www.jacobystuart.de/index.php?option=com_content&view=article&id=453&Itemid=73

    Auch wenn es noch schöner ist, das Buch in den Händen zu halten, eine tolle Idee... :)

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